Hörst du?

 

– „Hörst du das Knirschen in der Ferne,

wie wenn zwei entkernte Sterne

sich streifen fern der Zeit?

Das ist die Unendlichkeit.“

– „Nein, hör ich nicht!“

– „Schade.“

 

– „Hörst du das Knistern in der Höhe,

als ob Göttliches geschehe

von Irdischem befreit?

Das ist die Ewigkeit.“

– „Nein, hör ich nicht!“

– „Schade.“

 

– „Hörst du das Dröhnen aus der Tiefe,

als ob in meinem Bauche schliefe

ein Wesen schnarchend laut?

Das ist das Sauerkraut.“

– „Ja, das hör ich!“

– „Schade.“

 

 

Das ewige Paradies 

 

Bekanntlich alle Liebesfäden

entspinnen sich im Garten Eden.

Ein Prachtkerl er, sie süß wie’n Käfer,

das Traumpaar Adam und Frau Eva!

 

Hätt‘ da nur nicht gefunkt dazwischen

die Schlange mit geunktem Zischen:

„So nimm! Ein Apfel frisch mit Stängel!

Fürs schöne Fräulein und den Bengel!“

„Habt Dank! Doch stammt, ich frage nur, 

die Frucht aus Bio-Anbau pur?“

mahnt Adam, noch nicht überzeugt,

der kritisch auf den Apfel äugt.

„Ist er fair-trade zertifiziert,

genetisch unmanipuliert?

War sortenrein die Saat,

die Reifung frei von Glyphosat?

Wurd‘ streng die Ernte kontrolliert

und lückenlos dokumentiert?

Stand dieser Baum im Paradiese

wohl auch auf einer Streuobstwiese?

Und hat geachtet man genug

auf den Öko-Fußabdruck?“

„Na, klar“, die Schlange zischt mit List,

die gar nicht weiß, ob’s richtig ist.

„Nun gut“, zeigt Adam sich erweicht,

zur Frucht greift und sie Eva reicht.

„Nein, danke! Doch ich ess‘ kein Stück,“

weist sie den Apfel schroff zurück.  

„Bei Obst brauch‘ ich ein Klo zur Hand.

Bin nicht Fructose-tolerant!“

 

So wär’n die beiden, statt vertrieben,

bis heut im Paradies geblieben!

 

 

Entfremdung

 

Es war ein Tag, ich weiß nicht wann,

als ich des Morgens früh begann,

mich plötzlich zu entfremden

von allen meinen Hemden.

Doch auch von meinen Hosen

fühlt‘ ich mich abgestoßen.

Kein einziges Textil

verschafft‘ mir Wohlgefühl –

bis auf die seidig-glatte

gemusterte Krawatte.

Was soll ich sagen? S’war halt so!

Das war ein Anblick im Büro!

 

 

 

Drei ohne mich

 

Es waren zwei, die liebten sich,

und sie liebten sich zu dritt.

Doch der Dritte war nicht ich.

Da mach‘ ich nicht mehr mit!

 

 

Du bist so süß

 

Du bist so süß wie ein Sorbet,

wie ein Schüsselchen Pralinen,

dein Mund so zart wie Kirsch-Baiser,

deine Augen sind Rosinen.

 

Dein Herz, das ist aus Marzipan,

wenn‘s überhitzt, zergeht es.

Und schau ich dich zu lange an,

krieg‘ ich noch Diabetes.